Tinder als Ergebnis einer freien Gesellschaft?


„Komische Nase, weggewischt. Nettes Lächeln, abgehakt. Oh, schönes Dekolletee, abgehakt. Klasse, da haben wir ja ein Match…“ – Gedanken, die einem bei Verwendung der Dating-App „Tinder“ schnell in den Sinn kommen. Sieht so die Entwicklung eines modernen Rendezvous aus?

Warten auf den Richtigen war gestern
Die App ist im Handumdrehen heruntergeladen, installiert und die Anmeldung ist ebenfalls in wenigen Schritten erledigt. Dank der Verknüpfung mit der Social-Media-Plattform Facebook geht es sogar noch schneller. Danach kann „gematched“ werden, was das Zeug hält. Die App schlägt einem alle Mitglieder innerhalb eines bestimmten Umkreises vor, die ebenfalls auf Partnersuche sind. Anhand des Profilbildes und anderer Fotos kann man der vorgestellten Person nun einen Like (Gefällt mir) oder Dislike (Gefällt mir nicht) geben. Gefallen sich die bewerteten User gegenseitig, so entsteht ein Match und man kann beginnen, sich via Chat miteinander auszutauschen und ggf. sogar einen Seitensprung daraus werden zu lassen.

Anonyme, aufregende Abenteuer
Die meisten Menschen sind bei Tinder in erster Linie registriert, um schnelle Bekanntschaften zu knüpfen und nicht um die große Liebe zu treffen. Wobei bei hier natürlich Ausnahmen die Regel bestätigen. Tinder erlaubt es seinen Nutzern, relativ anonym mit dem Smartphone zu flirten. Der gewählte Nutzername muss nicht dem echten Namen entsprechen, sodass lediglich das Profilbild und die Altersangabe beim Gegenüber in Erscheinung treten. Wer also Lust auf ein spannendes Abenteuer hat, obwohl er sich in einer Beziehung befindet, ist bei Tinder gut aufgehoben. Einfach ein paar Kilometer mit dem Auto fahren, sich in das nächste Café setzen und warten bis einem ein williger attraktiver Tinder-Nutzer über den Weg läuft.

Das Ergebnis einer freien Gesellschaft?
So sieht also modernes Dating mit dem Smartphone aus. Doch bedeutet das wirklich einen Gewinn für unsere Gesellschaft. Die App Tinder bedeutet auf der einen Seite ungezwungenen Spaß, auf der anderen Seite symbolisiert sie die Instabilität, die unsere Gesellschaft derzeit prägt. Heute ein netter Flirt, morgen ist die Kontaktliste aktualisiert und man wurde geblockt. Im Gegensatz zu echten Beziehungen, sind besitzen Tinder-Bekanntschaften keine Basis, auf die man bauen kann. Bekanntschaften können von heute auf morgen verloren gehen, die Anonymität macht uns für andere zu unsichtbaren Internetnutzern, die man mit einem einzigen Fingerwisch auf dem Handy für immer aus dem Leben streichen kann.

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